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Gedankenwelt eines Rollerfahrers

Gehirnschmalz

Gedankenwelt eines Rollerfahrers

1 Comment 07 Dezember 2009

Ich war müde und hungrig. Das ist bei mir nunmal eine Kombination die auf die Laune schlägt. Wenn ich hungrig bin, dann bin ich auch verstimmt und lasse mich leichter provozieren.

Dienstag morgen, 08:00Uhr. Dunkelheit, Nieselregen und Temperaturen um die 5 °Celsius.
Ich fahre müde mit meiner Simson Schwalbe von der Nachtschicht nach Hause. Die Handschuhe sind vom Nieselregen durchgeweicht, ebenso die Oberseite meiner Jeanshose.
Ich friere und will einfach nur noch nach Hause. Aufs Sofa, unter meine Wolldecke.
Die Scheinwerfer der entgegenkommenden Autos blenden mich. Verstärkt wird dies noch durch die kalten Regentropfen, die am Visier kleben. Sie reflektieren das Licht.
Alles in allem möchte ich sagen, dass das einfach nicht mein Tag war. Keiner fährt gerne durch Regen. Man sieht schlecht, friert und Windböen drücken einen von den Seiten auf die Straße, oder von ihr ab. Überholende LKW rasen ohne Rücksicht an einem vorbei, wobei man jedesmal vom Fahrtwind gepackt wird, der einen für eine Sekunde im Griff hat.
Man sieht auch verdammt wenig! Nicht nur, dass man von entgegenkommenden Autos geblendet wird, was ja wie gesagt durch die kalten Regentropfen, die am Visier kleben noch verstärkt wird, sondern meine Scheinwerfer an der Schwalbe sind auch noch äußerst leistungsschwach. Also kann ich vielleicht 20 Meter ins Vorne sehen.

Nach 20 Minuten regnerischer Überlandsfahrt kam ich dann in meiner Stadt an.

Ich fuhr so eine Straße entlang, an der bewusst Engstellen geschaffen wurden, wo immer nur ein Fahrzeug durchpasst. Die machen das um die Geschwindigkeit aus dem fließenden Verkehr zu nehmen. Diese Engstellen sind dann durch Schilder so geregelt, dass immer eine Fahrtrichtung Vorrang hat, und die andere so lange warten muss bis das letzte Fahrzeug durch ist.
Ich fuhr also auf so eine Engstelle zu, an der ich Vorfahrt hatte.
Von vorne kam ein Golf4 mit einem jungen Fahrer, der eine arrogante Baseballkappe trug.
Ich war mir schlagartig sicher, dass er diese Kappe nicht trug weil er Baseballfan war, sondern weil er mich ärgern wollte.
Aufgrund meiner schwachen Scheinwerfer ordnete ich mich schön mittig auf der Straße ein, damit er sehen konnte, dass ich da bin und, dass ich durch die Engstelle fahren möchte.
Ich war mir sicher, dass er mich gesehen hat. Trotzdem fuhr er schneller und fuhr auch mittiger auf der Straße, als hätte er irgendein Sonderrecht, trotz meiner Vorfahrt zuerst durch die Engstelle zu fahren.
Da ich im Recht war, und er im Unrecht beschleunigte ich weiter und fuhr stur gerade aus auf die Engstelle zu. Innerlich schäumte ich vor Wut und spie Galle.
Es ist doch auch einfach einfach eine Frechheit, mir die Vorfahrt nehmen zu wollen, nur weil ich ein schwächeres Gefährt befahre als dieser Sack mit seiner widerlichen, scheiss Baseballkappe.
Er kaute ein Kaugummi und lehnte sich noch nach vorne als er stur mit hoher Geschwindigkeit auf mich zuhielt.
Er dachte wohl jetzt kneife ich, aber, »warte du Arsch. Das wirst du noch bereuen, wenn dann gehen wir hier beide drauf.«
Ich zog noch kräftig am Gashahn, als wir ineinanderfuhren und tobte vor Wut, als ich von dem Aufprall aus meinen Sitz gerissen wurde.
Mit dem Kopf voraus flog ich in Richtung seiner Windschutzscheibe.
»Jetzt kommts drauf an«, dachte ich.
Ich spannte meine gesamte Muskulatur im Körper an und machte mich so steif es nur ging, denn mein Plan war es im Flug seine Windschutzscheibe zu durchbrechen um ihn dann mit meinem Kopf voraus zu zermalmen.
Mein Kopf krachte gegen die Scheibe.
Ich spannte meine Nackenmuskulatur so heftig an wie ich nur konnte, dann brach die Scheibe.
Ich flog weiter mit dem Kopf voraus auf seinen Kopf zu, und wollte, dass ich mit meinem Kopf seinen zerstöre.
Es klappte! Ich flog gegen seinen Kopf und die Wucht des Aufpralls drückte ihn hart in die Nackenstütze. Ich saß auf ihm als er mich anschrie »Kannst du nicht aufpassen mit deiner scheiß Mofa!«
»DAS IST EINE SCHWALBE!!!«, schrie ich und schlug ihn mit aller Kraft die ich noch hatte mit beiden Fäusten abwechselnd so feste in sein arrogantes Gesicht wie ich nur konnte. Mit jedem Schlag spritzte Blut aus seinem Kopf, was mich nur noch rasender machte.

Ab da, weiß ich nichts mehr. Wachgeworden bin ich eben hier im Krankenhaus und dachte einfach, ich muss den Leuten erzählen, was mich wahnsinnig wütend macht.
Ich hasse es, wenn man keine Rücksicht auf Zweiräder nimmt, und ihnen die Vorfahrt nimmt!

Wolken sind nicht aus kuscheligem Wattestoff

Erlebtes, Leben

Wolken sind nicht aus kuscheligem Wattestoff

No Comments 07 Dezember 2008

Pünktlich zum 26.ten Geburtstag durch Höxteraner Wolken zu fliegen, ist dies nicht der Wunsch den im Grunde jeder Mensch in sich trägt. Zumindest war dies mein Wunsch und ich konnte Ihn mir am heutigen Tage auch tatsächlich erfüllen.

Geplant war der Sprung eigentlich schon für den gestrigen Tag, aber der liebe Herr Wetterfrosch meinte es wohl nicht so ganz lieb mit mir, oder es sollte einfach nicht sein. Aber egal, das Wetter war heute umso schöner und die Sicht auf den Himmel, oder die Sicht vom Himmel auf die Erde umso freier.

Um 12:00 sind wir bei den Höxteraner Skydivern eingetroffen und nach kurzer Wartezeit, in welcher man sich auf den Wandbildern schon einmal ein Bild von der Aktion machen konnte, ging es weiter zur Einweisung. Solange man als Tandemspringer startet, muss dort im Grunde genommen nicht sehr viel erklärt werden, da sich die Tätigkeit in der Luft auf reine Körperhaltung beschränkt.

Nachdem wir dann in Fallschirmspringer- Kleidung gehüllt wurden, die im Übrigen relativ cool aussieht, gab es noch den Ratschlag, sich Handschuhe mit ins Flugzeug zu nehmen, da die Temperaturen in ca. 4000 Metern Höhe sich bei minus 15°C einpendeln.

Ist halt Winter und nicht Sommer

Von dort oben, sieht die Wolkendecke aus wie eine Schneelandschaft und ein Gefühl von Geilheit auf Schwerelosigkeit, gepaart mit der Angst, dass das Erbrochene welches man auspeien könnte eher unten ankommt als man selber macht sich breit. Desweiteren habe ich mich kurz schmunzelnd gefragt, wie das Publikum unten reagiert, wenn an meiner Stelle ein Schwall Erbrochenes die Wolkendecke durchbricht. Auf dem ca. 20 minütigen Weg auf die Absprunghöhe, wurden schon die Vorbereitungen, wie z.B. das  Verbinden zwischen Springer (mir) und Tandemmaster (Mann mit dem Fallschirm) und das Aufsetzen der Kopfbedeckung sowie Schutzbrille vorgenommen.

Dann ging die Flugzeug Tür auf und das erste Tandemspringerpaar (wir waren zu zweit) robbte sich Richtung Tür und schwangen Ihre Füße durch die Tür. Das war auch der erste Moment wo ich mich gefragt habe: „Scheiße, was machst du hier eigentlich…”. Dann wurden die beiden mit einem kräftigen Fluump, der sicher nur in meinem Kopf stattfand aus dem Flugzeug gesogen, und mein Kopf sagte wieder nur „Scheiße…”

Auf Aufforderung von meinem Tandemmaster robbte ich nun also mit Ihm in richtung Flugzeugtür und schwang ebenfalls meine Beine aus der Tür, die nun frei im Wind baumelten. Dieses löst dann erstmal ein den Männern bekanntes kribbeln in den Eiern aus. Aber dann geht es sehr schnell.

Kopf in Nacken, Arme vor die Brust, Beine anwinkeln und Fluump…

Scheiße, unglaublich. Absolut nicht zu beschreiben was das für ein Gefühl ist. Man taumelt einen Gewissen Moment durch den Himmel, bis sich der Flug stabilisiert und man mit Blick auf die Wolken eben diesen mit ca. 200km/h entgegen rast. Dies ist auch die Zeitspanne des Fluges in der sich die minus 15°C im Gesicht breit machen.

Ist schon ordentlich kalt, aber das Geile überwiegt.

So etwa in Höhe der Wolken wurde dann der Schirm geöffnet, aber die Abnahme der Geschwindigkeit fühlte sich an wie Butter. Also ohne Ruck oder Zuck, so wie ich es eigentlich vermutete. So hatte ich auch endlich mal die Möglichkeit mir Wolken von Innen anzusehen, und mein Urglaube, dass diese aus watteartigem weichem Material bestehen wurde enttäuscht. Es ist einfach nur kalter Nebel.

Als der Nebel dann nachließ, war der Boden schon absolut deutlich erkennbar. Freundlicherweise bekam ich die Möglichkeit einmal am Fallschirmsteuerungsseil zu ziehen, was eine kreiselnde Drehung nach sich zog. Spätestens da war ich mir sicher, dass Erbrochenes eher unten sein wird. :-)

So ging es dann langsam immer tiefer Richtung Landestelle wo wiederum absolut sanft aufgesetzt wurde. Ohne hinzufallen und ohne sich zu schmerzen.

Der Flug sollte eigentlich vom Tandemmaster aufgenommen werden, aber leider war die Kamera falsch eingestellt, sodass kein Film entstehen konnte. So kann ich als Medien hier Bild sowie Videomaterial von vor dem Sprung sowie nach dem Sprung liefern, aber das Erlebnis an sich bleibt bei mir.

Wer also ein paar Euro über hat, oder Euros die er so oder so unsinnig investiert, in ein geiles Erlebnis stecken will, dem empfehle ich einen Sprung.

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Buchbar hier: http://fallschirmspringer.de


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So ist das halt. Wer seine Meinung durchsetzen möchte, dichtet etwas hinzu — F. Wulf

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