Ich habe ein Problem, ich liebe es fruchtig.
Begonnen hat im Grunde alles damit, dass der Penny Markt sogenannte Fruchtsmoothies verkaufte. Das ist püriertes Obst in einem Becher. Ganz ohne Konservierungsstoffe oder sonstigen Zusätzen. Also im Grunde einfach nur Früchte die püriert sind. Nunja, und eben nach diesem Zeug bin ich abhängig geworden.
Als ich noch auf Bechersmoothies war, schien mir die Sache nicht einmal gefährlich. Alles war so angenehm leicht und lecker. Probleme schienen meilenweit entfernt, oder überhaupt nicht sichtbar. Warnende Worte habe ich überhaupt nicht wahrgenommen. Ich habe sie einfach ignoriert oder für lächerliche Platitüden gehalten. Abgedroschenes Gewäsch von Anstandsmenschen.„Mensch Junge, jetzt hör doch mal auf dir dieses Zeug permanent einzuflößen! Was willst du dir damit denn beweisen?“
Irgendwann haben mir dann die vorgefertigten Bechersmoothies nicht mehr gereicht. Ich bin ihrer überdrüssig geworden. Brauchte immer mehr davon. Jeden Tag eine Steigerung, wobei die erquickende, frische Wirkung bald überhaupt nicht mehr spürbar war. Ich brauchte das Zeug im Grunde genommen bloß noch um nach außen hin ein Bild eines gesunden Menschen abzuzeichnen. Um nicht aufzufallen. Nicht rauszufallen aus dem anständigen, bis zur Perfektion hochstilisierten Anstandskreis. Was für eine kranke Welt. Fruchtige Bechersmoothies füllten eine Lücke, die ohne sie gar nicht vorhanden wäre. Aber, wie sollte ich das seinerzeit merken? Viel zu sehr war ich damit beschäftigt mir immer neue Smoothiesorten zu kaufen. Immer in der Hoffnung die Wirkung der ersten Smoothies würde zurückkehren. Eine Chimäre. Den perfekten Smoothie gab es nie. Jede weitere Smoothiesorte zieht einen bloß noch tiefer in die Abhängigkeit. Auf der Suche nach Freiheit und Erquickung erlangt man Gefangenschaft.
Dann irgendwann in einem schwachen Moment, muss ich zum ersten mal an einen Pürierstab gedacht haben. In der Szene nennt man ihn auch gerne den Zauberstab, denn er vollbringt tatsächlich wahre Fruchtwunder. Der Zauberstab ist ein länglicher Mixstab, der es fertig bringt Früchte aller Art durch ein rotierendes Messer am Kopf auf trinkbare Konsistenz zu bringen. Wie krank muss man sein, um sich darauf einzulassen? Die Gefahr so allgegenwärtig vor Augen? Nun, ich war es! Ich brauchte den nächsten Schritt. Kannte das Risiko und war bereit. Erst mit dieser Methode war es möglich den Frischegrad erheblich zu erhöhen, was direkte Auswirkungen auf den Vitamingehalt der Smoothies hatte. Ich kann mich noch erinnern wie ich innerlich zitterte, als ich zum ersten mal eine Banane aus Mittelamerika zusammen mit deutschen Erdbeeren, ein paar französichen Weintrauben und einem Apfel pürierte. Damals aus Furcht vor dem hohen Vitamingehalt noch mit Milch gestreckt . Es floss brennend wie Lava meine Speiseröhre hinunter. Ein Gefühl welches bis heute unerreicht blieb. In diesem Moment wurde ich von erquickender Wachheit gepackt und war leistungsfähig wie nie zuvor nie meinem Leben. Doch ich erinnere mich auch, dass ich schon damals die Gefahr im Nacken spürte. Wo soll das hinführen? Was ist im Winter, wenn Obst teuer oder gar nicht vorhanden ist?
Aber so schnell wie dieser Gedanke kam, so schnell war er wieder verweht. Ab dann ging alles rasend schnell. Ohne Gewissenbisse mixte ich Bananen aus Mittelamerika, Him- und Brombeeren aus den Gärten von Alicante. Erdbeeren aus Deutschland und dem mallorcinischen Alcudia. Kiwis aus Neuseeland, Pampelmusen, Zitronen und Limetten. Blaubeeren, rote und weiße Weintrauben und Grapefruits. Bald auch exotischeres wie Kokosnüsse und Rosenwasser. Die Spirale nahm und nimmt auch heute noch kein Ende, denn ich bin weiterhin voll drauf. Inzwischen besitze ich zwei Zauberstäbe und immer neue Kombinationsideen für Früchte in meinem Kopf. Als ich bei meiner letzten Urlaubsreise in einem Supermarkt eine Pressmaschine für Orangen entdeckte, die beinahe den letzen Tropfen Saft aus ihr presste, schlug mein Herz so aufgeregt, dass mir klar wurde, dass ich vermutlich für immer und ewig verdammt sein werde wie wild Früchte zu pürieren um sie mir anschließen hemmungslos einzuverleiben. Ich war, bin und bleibe abhängig. Think about it!
Dieser Text, soll eine Warnung sein, an alle die planen sich eine Zauberstab zuzulegen.
Der Preis ist die Altersarmut

Es sind pipifeine Tage wenn man neben langhaarigen, harten Rockern campt, die sich wie in einer Gruppentherapie ihren angestauten Lebensfrust von der Seele reden. Wenn Wortfetzen wie „Mein Vater ist ein Arschloch…“, oder „wir bleiben auf ewig befreundet…“ davon künden, dass in naher Zukunft einer der harten Jungs im Arm seines ebenso harten Kumpels liegt und Rotz und Wasser heult.