Fruchtige Gefahr

Gehirnschmalz, Leben

Fruchtige Gefahr

1 Comment 08 Juli 2009

Ich habe ein Problem, ich liebe es fruchtig.
Begonnen hat im Grunde alles damit, dass der Penny Markt sogenannte Fruchtsmoothies verkaufte. Das ist püriertes Obst in einem Becher. Ganz ohne Konservierungsstoffe oder sonstigen Zusätzen. Also im Grunde einfach nur Früchte die püriert sind. Nunja, und eben nach diesem Zeug bin ich abhängig geworden.

Als ich noch auf Bechersmoothies war, schien mir die Sache nicht einmal gefährlich. Alles war so angenehm leicht und lecker. Probleme schienen meilenweit entfernt, oder überhaupt nicht sichtbar. Warnende Worte habe ich überhaupt nicht wahrgenommen. Ich habe sie einfach ignoriert oder für lächerliche Platitüden gehalten. Abgedroschenes Gewäsch von Anstandsmenschen.„Mensch Junge, jetzt hör doch mal auf dir dieses Zeug permanent einzuflößen! Was willst du dir damit denn beweisen?“

Irgendwann haben mir dann die vorgefertigten Bechersmoothies nicht mehr gereicht. Ich bin ihrer überdrüssig geworden. Brauchte immer mehr davon. Jeden Tag eine Steigerung, wobei die erquickende, frische Wirkung bald überhaupt nicht mehr spürbar war. Ich brauchte das Zeug im Grunde genommen bloß noch um nach außen hin ein Bild eines gesunden Menschen abzuzeichnen. Um nicht aufzufallen. Nicht rauszufallen aus dem anständigen, bis zur Perfektion hochstilisierten Anstandskreis. Was für eine kranke Welt. Fruchtige Bechersmoothies füllten eine Lücke, die ohne sie gar nicht vorhanden wäre. Aber, wie sollte ich das seinerzeit merken? Viel zu sehr war ich damit beschäftigt mir immer neue Smoothiesorten zu kaufen. Immer in der Hoffnung die Wirkung der ersten Smoothies würde zurückkehren. Eine Chimäre. Den perfekten Smoothie gab es nie. Jede weitere Smoothiesorte zieht einen bloß noch tiefer in die Abhängigkeit. Auf der Suche nach Freiheit und Erquickung erlangt man Gefangenschaft.

Dann irgendwann in einem schwachen Moment, muss ich zum ersten mal an einen Pürierstab gedacht haben. In der Szene nennt man ihn auch gerne den Zauberstab, denn er vollbringt tatsächlich wahre Fruchtwunder. Der Zauberstab ist ein länglicher Mixstab, der es fertig bringt Früchte aller Art durch ein rotierendes Messer am Kopf auf trinkbare Konsistenz zu bringen. Wie krank muss man sein, um sich darauf einzulassen? Die Gefahr so allgegenwärtig vor Augen? Nun, ich war es! Ich brauchte den nächsten Schritt. Kannte das Risiko und war bereit. Erst mit dieser Methode war es möglich den Frischegrad erheblich zu erhöhen, was direkte Auswirkungen auf den Vitamingehalt der Smoothies hatte. Ich kann mich noch erinnern wie ich innerlich zitterte, als ich zum ersten mal eine Banane aus Mittelamerika zusammen mit deutschen Erdbeeren, ein paar französichen Weintrauben und einem Apfel pürierte. Damals aus Furcht vor dem hohen Vitamingehalt noch mit Milch gestreckt . Es floss brennend wie Lava meine Speiseröhre hinunter. Ein Gefühl welches bis heute unerreicht blieb. In diesem Moment wurde ich von erquickender Wachheit gepackt und war leistungsfähig wie nie zuvor nie meinem Leben. Doch ich erinnere mich auch, dass ich schon damals die Gefahr im Nacken spürte. Wo soll das hinführen? Was ist im Winter, wenn Obst teuer oder gar nicht vorhanden ist?

Aber so schnell wie dieser Gedanke kam, so schnell war er wieder verweht. Ab dann ging alles rasend schnell. Ohne Gewissenbisse mixte ich Bananen aus Mittelamerika, Him- und Brombeeren aus den Gärten von Alicante. Erdbeeren aus Deutschland und dem mallorcinischen Alcudia. Kiwis aus Neuseeland, Pampelmusen, Zitronen und Limetten. Blaubeeren, rote und weiße Weintrauben und Grapefruits. Bald auch exotischeres wie Kokosnüsse und Rosenwasser. Die Spirale nahm und nimmt auch heute noch kein Ende, denn ich bin weiterhin voll drauf. Inzwischen besitze ich zwei Zauberstäbe und immer neue Kombinationsideen für Früchte in meinem Kopf. Als ich bei meiner letzten Urlaubsreise in einem Supermarkt eine Pressmaschine für Orangen entdeckte, die beinahe den letzen Tropfen Saft aus ihr presste, schlug mein Herz so aufgeregt, dass mir klar wurde, dass ich vermutlich für immer und ewig verdammt sein werde wie wild Früchte zu pürieren um sie mir anschließen hemmungslos einzuverleiben. Ich war, bin und bleibe abhängig. Think about it!

Dieser Text, soll eine Warnung sein, an alle die planen sich eine Zauberstab zuzulegen.
Der Preis ist die Altersarmut

Serengeti Festival in Stukenbrock

Erlebtes, Leben

Serengeti Festival in Stukenbrock

No Comments 29 Juni 2009

serengetiEs sind pipifeine Tage wenn man neben langhaarigen, harten Rockern campt, die sich wie in einer Gruppentherapie ihren angestauten Lebensfrust von der Seele reden. Wenn Wortfetzen wie „Mein Vater ist ein Arschloch…“, oder „wir bleiben auf ewig befreundet…“ davon künden, dass in naher Zukunft einer der harten Jungs im Arm seines ebenso harten Kumpels liegt und Rotz und Wasser heult.

Alkohol und Väter die Arschlöcher sind, sind eben eine eisenharte Konstellation, die selbst den härtesten Rocker in behütete Arme treibt, wo er die angestauten Tränen des Jahres vergießen kann.

Nett anzusehen, die homogene Masse aus schwarzen T-Shirts, kurzen erdbraunen Hosen und schwarzen Lederstiefeln die die Erde der Senne in Staub verwandeln, welche dann beim Pogen in die Luft gewirbelt wird, nur um wenig später kiloweise in meinen Nasenhöhlen und Lunge zu verschwinden, wo ich sie nur unter Aufbringung von druckvollem Husten sowie Schnäuzen in Teilen wieder herausbekomme. Ein kurzer Blick in die Glasscheibe des Verkäufers der Asiabude verrät mir, dass ebensoviel  Erde durch geschickte Symbiose mit Schweiß im Gesicht kleben geblieben ist. Bei einem kurzen Nickerchen zwischen der Asiabude und der Pizzabude einen Stupser in die Seite vom Fuß meines Finanzdienstleisters des Vertrauens erhalten. Bloodhound Gang kommt! Bier lässt auf sich warten, egal..

Nicht jeden Tag kann man sehen, dass Evil Jared Hasselhoff, seines Zeichen Gitarrist der Bloodhound Gang sich ein Seil um den Penis bindet um damit einen Rollwagen auf dem Jimmy Pop sitzt über die Bühne zu ziehen, oder einen Bier Krug auf ex verdrückt, ihn danach mit dem Stilmittel des Vomitus wieder bis zur Hälfte füllt, um ihn dann unter dem Gegröhle der Menge ein zweites mal zu leeren.

Ach ja, schön war’s. Die Senneerde hängt mir in Teilen immer noch in der Nase und ich finde es immer noch witzig wenn langhaarige Festivalbesucher, deren Habitus mit dem normalen bürgerlichen Leben nichts zu tun hat und die wirken als müssten sie das Jahr nur irgendwie rumbringen weil das Licht am Ende des Tunnels ein Rockfestival ist, sich Ohrenstöpsel kaufen weil ihnen die Musik zu laut ist.

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Bis nächstes Jahr beim Serengeti  Festival in Stukenbrock und ein herzliches Dankeschön an den Campingplatz Am Furlbach.

Hagen Rether

Erlebtes, Leben

Hagen Rether

3 Comments 20 Juni 2009

Ich dachte ja immer, dass ich auf Sarkasmus stehen würde, aber das stimmt nur teilweise denn viel eher stehe ich auf Zynismus. Und Zynismus ist das Fachgebiet von Hagen Rether, Kabarettist und Deutscher Kleinkunstpreisträger.

Also, hier mal ein sehr zynisches Video zum anfixen.

Et après, etwas schwerer konsumierbares in voller Länge. Wer das Video bis zum Ende anschaut kann sich gemeinsam mit mir die Frage stellen, warum Herr Rether minutenlang bitterlich weint und danach den Ratschlag erteilt: „seien sie gut zu ihren Kindern!”

Hagen Rether - liebe

Was müssen das für Menschen sein

Gehirnschmalz, Leben

Was müssen das für Menschen sein

No Comments 11 Juni 2009

…denen es leicht fällt Scheitelpunkte einer quadratischen Funktion zu errechnen, dabei aber selbst den Scheitel auf dem Kopf vergessen, geschweige denn ihn im Spiegel zu richten. Die voll darin aufgehen, wenn sie mit diversen Algorithmen komplexe mathematische Probleme lösen und sich danach auf die Schulter klopfen und denken sie hätten etwas reelles geleistet, anstatt dem Rhythmus zu lauschen um zu entspannen oder bei Rhythmus und Getränk mal ordentlich einen drauf zu machen. Es sind wahre Genies die es vorziehen Graphen in Koordinatensysteme zu zeichnen anstatt den VHS-Kurs im Bodypainting zu besuchen um spannenderes Zeichnen zu erlernen. Ich finde es wirklich toll, wenn Menschen in quadratischen Gleichungen sofort die dazugehörige Parabel vorm bildlichen Auge sehen, sie aber in Filmen nicht erkennen wenn sie einem ins Auge springt.

Ne, mal im Ernst. Bei Mathematik verstehe ich wirklich keinen Spaß mehr. Da hört es bei mir auf. Meiner Meinung nach gehört ein Zusatzartikel zum Schutz vor höherer Mathematik in das Grundgesetz. Es gibt einfach Menschen, die Mathematik nicht können. Die sie verabscheuen, sie hassen. Hasstiraden ausspeien sobald man zu einem mathematischen Thema befragt wird. Das ist keiner dieser Fälle wo man das Interesse an dem Fach anlernen kann, oder wo die Lehrperson höheren Einfluss auf das Interesse des Studierenden hat. Nein, es muss meiner Meinung nach einfach akzeptiert werden, dass das zwanghafte Erlernen von Mathematik bei gewissen Menschen Risse im Grundbau hinterlässt. Ich spreche hier von tiefen Wunden die wichtige Areale in der menschlichen Psyche in der Art verletzt haben, dass sie Auswirkungen auf die allgemeine  Grundzufriedenheit haben.

Spezifische Hochschulberechtigung
Ich sehe durchaus ein, dass Kopfrechnen, leichte Prozentrechnung und die Grundzüge der Geometrie im täglichen Leben hilfreich sein können, und bin auch der Meinung, dass dieses in der Schullaufbahn bis zur Fachoberschulreife gelehrt werden sollte. Dies allerdings in einem Rahmen, den man als Realitätsnah bezeichnen kann. Also leichte Mathematik, die einem bei Alltagsproblemen helfen kann. Darunter fallen alle Rechenarten, die man im Kopf leicht behalten kann um sie so in der Praxis effektiv verwenden zu können.
Danach stelle ich mir anstatt des Abiturs als allgemeine Hochschulberechtigung eine spezifische Hochschulberechtigung vor, die speziell auf bestimmte Kategorien von Studiengängen vorbereitet. So haben angehende Philosophie Studenten keinerlei Mathematik (außer auf Wunsch) in ihrer Hochschulvorbereitung und angehende Studenten im IT Bereich erlernen keine Gedichtinterpretation. Denn beide benötigen es nicht.
Durch diese Regelung fällt bei der Abschlussnote auch nur die Studienfachspezifische Leistung ins Gewicht und nicht wie bisher auch Fächer die mit dem eigentlichen Studiengang rein gar nichts zu tun haben.

Naja, bis es soweit ist, widme ich mich der quadratischen Ergänzung.
Bis dahin!

Meine letzten Tage

Erlebtes, Indifferentes, Leben, Politik

Meine letzten Tage

No Comments 09 Juni 2009

…waren zumindest von dem was ich so las, oder besser gesagt lesen musste, denn an anderen Themen hapert es, geprägt von der Europawahl. Europawahl, Europawahl… Was wählen wir da noch gleich? Ein Parlament was neue Gesetze verabschiedet? Nein, das war es nicht. Es kann wohl anstehende Gesetze verhindern. Irgendwas in der Richtung wirklich näher beschäftigt habe ich mich damit nicht weiter, ab er es steht auf meiner toDo-Liste irgendwo im mittleren Bereich, weit unter der Fertigstellung meines neuen Holzpools.

Die Piratenpartei konnte sich einen Sitz im europäischen Parlament erentern und ist sich noch unsicher wo der Pirat demnächst sitzen soll. Entweder bei den Liberalen, oder bei den Grünen, zumindest ist das mein letzter Kenntnisstand.
Ja, Piratenpartei. Das muss in den Ohren der meisten Leser dieses Blogs welche sich weniger mit Themen aus dem Internet beschäftigt sicher merkwürdig klingen. Die allermeisten mit denen ich über die Piratenpartei gesprochen habe, verbanden damit Captain Jack Sparrow von der Black Pearl, aber nicht eine durchaus ernstzunehmende politische Partei. Die einzige Partei im Übrigen, die mit klaren Forderungen bei der Europawahl auftrat. Anstatt mit „Deutschland in Europa”, WUMS oder Finanzhaien aufzutreten fordert die Piratenpartei eine Novellierung des Urheberrechts sowie “Freie Kommunikation in einer offenen Gesellschaft”. Also gegen jede Zensur. Aber, es waren nicht die deutschen Piraten die das Europaparlament enterten, sondern die weitaus erfolgreicheren Schweden, aus dem Gründungsland der Piratenpartei.

Die französischen Rechtspopulisten hatten eine wahnsinnig einleuchtende Begründung für das Spitzenergebnis der französischen Grünen. Schuld daran sei der Film HOME von Yann Arthus-Bertrand. Guter Film übrigens, der vollkommen gratis, weil der Herr Arthus-Bertrand die paar Mücken die er im Kino einbringt nicht nötig hat und um es allen Menschen zu ermöglichen diesen Film zu sehen, bei Youtube läuft. Nämlich hier

Achja, und gestern konnte ich bei RTL sehen, dass nicht nur Heidi Klum, sondern auch Til Schweiger seine hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung macht.

(wusste doch, dass ich diesen Satz mal irgendwo einbauen kann)

Bis dahin, genießt den Regen!

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