Eigentlich wollte ich als Überschrift etwas längeres wählen, nämlich: “Warum ist Bigamie eigentlich verboten während Promiskuität erlaubt ist?”, aber mein Überschriftenplatz ist stark reglementiert und das soll auch so bleiben.
Ja, warum eigentlich?
Unser bürgerliches Gesetzbuch sagt in §1306:
Eine Ehe darf nicht geschlossen werden, wenn zwischen einer der Personen, die die Ehe miteinander eingehen wollen, und einer dritten Person eine Ehe oder eine Lebenspartnerschaft besteht.
Allerdings endet der Satz damit, und dieses Gesetz wird wie viele Gesetze vor Ihm nicht weiter begründet. Schade eigentlich. Ich durchsuche jetzt schon seit geraumer Zeit das Internet, aber eine stichhaltige Erklärung konnte ich nirgends finden.
Wenn man es mal genauer betrachtet so werden wir als Bürger dieses wunderbaren Landes erheblich beschnitten. Was erlaubt sich der Hochadel uns vorzugeben wieviele Gemahlinnen wir unser eigen nennen? Wenn wir der Entwicklung folgen, so wäre die Abschaffung des Bigamieverbotes eigentlich die letzte logische Konsequenz.
Gleichberechtigung
Deutschland ist ja beinahe Marktführer wenn es um die Gleichberechtigung von was auch immer geht. Frauen dürfen wählen und arbeiten, Behinderte werden integriert ebenso wie Ausländer. Auch in Ehesachen liegen wir einigermaßen weit vorne.
- Erst durften nur Männer und Frauen heiraten
- dann wurden auch homosexuelle Lebensgemeinschaften erlaubt (Homoehe)
Also, unser wunderbarer Staat versucht hetero- sowie homosexuelle Einwohner gleich zu behandeln. Aber wer wird derzeit noch diskriminiert? Bisexuelle! Denn Bisexuelle stehen nunmal auf Männer wie Frauen gleichermaßen und wünschen sich doch auch eventuell einmal zu heiraten ohne einen der Partner zu verstoßen.
Religionsfreiheit
Auch dieser Punkt würde die Abschaffung der Bigamie logisch erscheinen lassen. Was sind wir für ein Land, wenn wir aus Gründen der Religionsfreiheit Menschen erlauben Tieren bei vollem Bewusstsein den Hals aufzuschneiden, aber wenn jemand 2, 3 oder 1367 Ehefrauen haben möchte werden einem Steine in den Weg gelegt. Tut es jemanden weh, wenn man 1367 Ehefrauen hat?
Säkular
Natürlich ist es richtig, dass es natürlich negativ für die Männerwelt wäre. Denn wenn wir davon ausgehen, dass die Aufteilung Mann/Frau in Deutschland um die 50/50 liegt, dann werden viele Männer in Ehesachen leer ausgehen. Deutschland ist im Übrigen eher Aussenseiter. Denn laut dem Ethnographic Atlas Codebook von J. Patrick Gray, Department of Anthropology der Universität von Wisconsin-Milwaukee gibt es von 1231 gemeldeten Gesellschaften nur 186 Monogame. Das wiederum bedeutet, dass in den restlichen 1045 Gesellschaftsformen Bigamie sowie Polygamie vorkommt.
In meinen Augen ist das Bi-/ Polygamieverbot ein Rudiment des christlichen Weltbildes.