Ich sag mal so, verdient habe ich den Ärger der jetzt zwangsläufig auf mich zukommt auf jeden Fall. Da stehe ich nun also, ein Homo Sapiens, die Spitze der Nahrungskette, ein Mensch, die am weitesten entwickelte Lebensform, die auf diesem Erdball zu finden ist und doch lasse ich mich von Kaninchen verarschen, die in ihrer Intelligenz der meinigen weit hinterherhinken sollten. Kleine Tiere, die aussehen wie wuschelige Kuscheltiere tricksen mich Tag für Tag aus. Mit immer neuen Tricks schaffen Sie es ihr sicherlich nicht zu kleines Außengehege zu verlassen. Mal mit Buddeln, mal mit Springen oder auch durch rohe Zerstörung eines Kaninchendrahts.
Ich sollte von vorne anfangen.
Eine Bekannte ist vor etwa zwei Jahren mal umgezogen, und die Vermieterin gestattete ihr nicht ihre Kaninchen mit in die Wohnung zu nehmen. Konservative, piefig spießige Frau und meine Bekannte hatte damals keinen Bock auf Stress, deswegen habe ich mich erbarmt das Kaninchen, also Feli aufzunehmen. Da ich es nicht mit ansehen konnte wie das arme Vieh den ganzen Tag in einem 1m² Käfig vor sich hin vegetiert, habe ich ihm ein Geschirr umgelegt und ihn mit einer Leine an einem Pfahl befestigt den ich in die Erde gesteckt habe. So hatte das Tier im Radius von 2 Metern freie Bewegung und meine Laune stieg. Noch mehr stieg meine Laune, als ich vom Balkon beobachten durfte, wie Feli nach nur zwei Tagen im Garten bereits ein Wildkaninchen als Freund gefunden hat. Und ich habe mich an dem Anblick der herumtollenden Kaninchen erfreut, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass nach dem Tollen das Bxxxxn kommt.
Realisiert was geschehen ist, habe ich dann als Feli sich die Bauchhaare ausrupfte um daraus ein Nest zu schaffen.
Das war auch genau die Zeit, als meine Bekannte erneut umgezogen ist. Diesmal in eine Wohnung mit Vermietern die es nicht die Bohne störte wenn bei ihr Kaninchen mithausen. Aus diesem Grund gab ich ihr die Feli zurück, allerdings ohne sie auf meine zuvor gemachten Beobachtungen und daraus resultierenden Vermutungen aufmerksam zu machen. Es kam dann natürlich wie es kommen musste. Feli gebahr mehrere Kinder, wovon einige innerhalb kurzer Zeit verstarben und einige durchkamen. Durch kam unter anderem Emma, die eigentlich ein Männchen ist aber für ein Weibchen gehalten wurden und bei Feli bleiben sollte.
Man kann noch folgen?
Also Emma und Feli, also Mutter und “Tochter” lebten einige Zeit normal zusammen, bis Feli wieder anfing sich die Bauchhaare auszureißen um ein Nest zu bauen. Da stellte sich also heraus, dass Emma ein Männchen war und mit Inzest ebenso wenig ein Problem hat, wie der Papst mit Holocaustleugnern. Die Kaninchenbabys wurden kann geboren, und eines davon nennen wir im Weiteren „Little Asshole“. Little Asshole ist das niedlichste der kleinen Kaninchen, denn es besticht durch ein hängendes nebst einem stehenden Ohr. So wuchs es schnell in das Herz meiner Bekannten und ist immer noch das Lieblingskaninchen.
Herauskristallisieren sollte sich an dieser Stelle, dass eine Paarung zwischen Haus- und Wildkaninchen für den Besitzer dieser Tiere Stress bedeutet.
Da meine Bekannte jetzt für ein paar Wochen nicht zu Hause ist, übernehme ich im Moment die Urlaubsvertretung und habe die Kaninchen bei mir aufgenommen. Mein Garten sieht jetzt aus wie ein blöder Streichelzoo, aber das ist nicht das Problem. Mein Problem ist größer.
Das Problem ist: „Little Asshole ist flüchtig und hat sich nach Zeugenaussagen von einem Wildkaninchen bxxxxn lassen.“

