Erlebtes, Leben

Wolken sind nicht aus kuscheligem Wattestoff

0 Comments 07 Dezember 2008

Pünktlich zum 26.ten Geburtstag durch Höxteraner Wolken zu fliegen, ist dies nicht der Wunsch den im Grunde jeder Mensch in sich trägt. Zumindest war dies mein Wunsch und ich konnte Ihn mir am heutigen Tage auch tatsächlich erfüllen.

Geplant war der Sprung eigentlich schon für den gestrigen Tag, aber der liebe Herr Wetterfrosch meinte es wohl nicht so ganz lieb mit mir, oder es sollte einfach nicht sein. Aber egal, das Wetter war heute umso schöner und die Sicht auf den Himmel, oder die Sicht vom Himmel auf die Erde umso freier.

Um 12:00 sind wir bei den Höxteraner Skydivern eingetroffen und nach kurzer Wartezeit, in welcher man sich auf den Wandbildern schon einmal ein Bild von der Aktion machen konnte, ging es weiter zur Einweisung. Solange man als Tandemspringer startet, muss dort im Grunde genommen nicht sehr viel erklärt werden, da sich die Tätigkeit in der Luft auf reine Körperhaltung beschränkt.

Nachdem wir dann in Fallschirmspringer- Kleidung gehüllt wurden, die im Übrigen relativ cool aussieht, gab es noch den Ratschlag, sich Handschuhe mit ins Flugzeug zu nehmen, da die Temperaturen in ca. 4000 Metern Höhe sich bei minus 15°C einpendeln.

Ist halt Winter und nicht Sommer

Von dort oben, sieht die Wolkendecke aus wie eine Schneelandschaft und ein Gefühl von Geilheit auf Schwerelosigkeit, gepaart mit der Angst, dass das Erbrochene welches man auspeien könnte eher unten ankommt als man selber macht sich breit. Desweiteren habe ich mich kurz schmunzelnd gefragt, wie das Publikum unten reagiert, wenn an meiner Stelle ein Schwall Erbrochenes die Wolkendecke durchbricht. Auf dem ca. 20 minütigen Weg auf die Absprunghöhe, wurden schon die Vorbereitungen, wie z.B. das  Verbinden zwischen Springer (mir) und Tandemmaster (Mann mit dem Fallschirm) und das Aufsetzen der Kopfbedeckung sowie Schutzbrille vorgenommen.

Dann ging die Flugzeug Tür auf und das erste Tandemspringerpaar (wir waren zu zweit) robbte sich Richtung Tür und schwangen Ihre Füße durch die Tür. Das war auch der erste Moment wo ich mich gefragt habe: „Scheiße, was machst du hier eigentlich…”. Dann wurden die beiden mit einem kräftigen Fluump, der sicher nur in meinem Kopf stattfand aus dem Flugzeug gesogen, und mein Kopf sagte wieder nur „Scheiße…”

Auf Aufforderung von meinem Tandemmaster robbte ich nun also mit Ihm in richtung Flugzeugtür und schwang ebenfalls meine Beine aus der Tür, die nun frei im Wind baumelten. Dieses löst dann erstmal ein den Männern bekanntes kribbeln in den Eiern aus. Aber dann geht es sehr schnell.

Kopf in Nacken, Arme vor die Brust, Beine anwinkeln und Fluump…

Scheiße, unglaublich. Absolut nicht zu beschreiben was das für ein Gefühl ist. Man taumelt einen Gewissen Moment durch den Himmel, bis sich der Flug stabilisiert und man mit Blick auf die Wolken eben diesen mit ca. 200km/h entgegen rast. Dies ist auch die Zeitspanne des Fluges in der sich die minus 15°C im Gesicht breit machen.

Ist schon ordentlich kalt, aber das Geile überwiegt.

So etwa in Höhe der Wolken wurde dann der Schirm geöffnet, aber die Abnahme der Geschwindigkeit fühlte sich an wie Butter. Also ohne Ruck oder Zuck, so wie ich es eigentlich vermutete. So hatte ich auch endlich mal die Möglichkeit mir Wolken von Innen anzusehen, und mein Urglaube, dass diese aus watteartigem weichem Material bestehen wurde enttäuscht. Es ist einfach nur kalter Nebel.

Als der Nebel dann nachließ, war der Boden schon absolut deutlich erkennbar. Freundlicherweise bekam ich die Möglichkeit einmal am Fallschirmsteuerungsseil zu ziehen, was eine kreiselnde Drehung nach sich zog. Spätestens da war ich mir sicher, dass Erbrochenes eher unten sein wird. :-)

So ging es dann langsam immer tiefer Richtung Landestelle wo wiederum absolut sanft aufgesetzt wurde. Ohne hinzufallen und ohne sich zu schmerzen.

Der Flug sollte eigentlich vom Tandemmaster aufgenommen werden, aber leider war die Kamera falsch eingestellt, sodass kein Film entstehen konnte. So kann ich als Medien hier Bild sowie Videomaterial von vor dem Sprung sowie nach dem Sprung liefern, aber das Erlebnis an sich bleibt bei mir.

Wer also ein paar Euro über hat, oder Euros die er so oder so unsinnig investiert, in ein geiles Erlebnis stecken will, dem empfehle ich einen Sprung.

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Buchbar hier: http://fallschirmspringer.de

schwachnajamittelgutgrandios (bisher unbewertet)
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Das Blöken eines Schafes sagt nichts über die Qualität seiner Wolle. — Schaller

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