Erlebtes, Leben

Reims, Paris, Calais und Den Haag mit dem Wohnmobil

0 Comments 11 Oktober 2008

Begonnen hat die Reise mit dem Traum von autarkem Leben und dem Ruf nach Freiheit zum Einen sowie nach Beschränktheit zum Anderen. Was bietet sich da besser an, als ein Wohnmobil?

Das Wohnmobil habe ich bei Andreas Stratkötter gemietet, der seinen Sitz in Wadersloh sowie Gütersloh hat. Für 370,00€ gab es ein Wohnmobil mit 3,5 Tonnen Beschränkung (Wichtig für Geschwindigkeit und Führerscheine). Das Wohnmobil war Super! 2 Batterien, Dusche, WC, Kühlschrank und Heizung. Also alles um karg aber bequem zu leben. Mit dem Wasser und der Batterieleistung kann man gut und gerne 4-5 Tage autark leben, wenn man das Heizen und Duschen auf ein Minimum reduziert. Auf der Internetseite, welche einer Renovierung bedarf, findet man alle Klassen und Preise.

http://www.travelcarreisemobile.de/


Erster Stop in Reims

Angekommen sind wir nach 7 Stunden Fahrt durch NRW und über belgische Autobahnen. Da wir erst später als geplant losgefahren sind, war unser Aufenthalt in Reims eher kurz, und unsere Entdeckungsreise durch die Stadt quasi nicht vorhanden, deshalb kann ich für Reims keine Empfehlungen aussprechen. Wer aber einen Platz zum Übernachten in Reims sucht, der wird an der Rue Alphonse Naudin fündig. Es gibt dort mehrere Parkplätze direkt vor der Feuerwache. Naja, nach einem Teller Nudeln mit Mehlsauce ging es dann in die Heia, wo man nicht schlafen kann, da neben einem direkt die Hauptverkehrsader von Reims verläuft.

Sonst aber sicherlich eine tolle Stadt.


Ab nach Paris

In Reims sind wir recht früh aufgebrochen um nach Paris zu kommen. Die Autobahnen nach Paris waren relativ leer, aber leider auch mautpflichtig. Kurz vor Paris ändert sich die Situation dann aber schlagartig. Unfassbar, würde ich dort wohnen dann könnte ich den Film „Falling Down” noch besser nachvollziehen. Die Stadtautobahn von Paris ist nur was für geübte Fahrer, oder total wahnsinnige. Wer sich also unsicher ist, der sollte auf der rechten Spur bleiben und diese niemals wieder verlassen, denn sowohl rechts als auch links sausen flinke Roller- und Motorradfahrer neben einem her, als wäre Ihnen das Leben nichts wert.

Gott sei Dank, hatte ich im Vorfeld die Frankreichkarte für TomTom runtergeladen, sodass wenigstens das Kartenwühlen entfiel. Bis mitten in Paris der Akku aufgab und wir ohne Karte und satellitengestützte Navigation mitten in der Stadt des Wahnsinns standen… Orientierungslos!

Da Franzosen es nicht für gut heißen Englisch zu lernen, bat ich in Gebärdensprache einen französischen Änderungsschneider, ob ich seine Schneidersteckdose ein paar Minuten zum Aufladen meiner GPS Maus gebrauchen dürfe. Ich weiß nicht ob er mich verstand, aber er deutete in eine Ecke wo sich eine Steckdose befand, welche ich dann auch nutzte. 20 Minuten später ging es dann satellitengestützt weiter zum Campingplatz

Der Campingplatz Bois de Boulogne

Jaja, Camper haben einen durchaus unangenehmen Ruf, aber in Paris hatte ich keinen Bock einen Stellplatz zu suchen, wo man in Ruhe pennen kann, ohne ausgeraubt oder ermordet zu werden. Den Platz im Bois de Boulogne, welches die grüne Lunge von Paris ist, kann ich durchaus empfehlen. Er liegt wie gesagt in der grünen Lunge von Paris, direkt an der Seine. Einziges Manko, oder für einige auch angenehmer Nebeneffekt ist, dass die/der Bois de Boulogne das Prostitutionsviertel von Paris ist. Dies konnten wir anschaulich bemerken, als wir mit unseren Bikes zum Eifelturm aufbrachen und unser Weg durch den Bois de Boulogne führte. Die Pariser scheinen sich an diesem Umstand aber nicht allzu sehr zu stören, denn wir sahen zuhauf Franzosen die Ihren Sport munter an den Prostituierten vorbei durchführten.

Fahrrad in Paris = Sehr gut, aber Navi mitnehmen

Für alle die, die vorhaben ebenfalls Paris mit dem Bike zu erkunden, kann ich wirklich nur raten ein Navi mitzunehmen. Es ist wirklich eine sehr entspannende Tour, wenn man die Gewissheit hat wieder nach Hause zu kommen. Allerdings ziehen sich die Strecken doch etwas, wenn man Fahrradfahren als Neben- und nicht als Hauptbeschäftigung betreibt. Gefahren sind wir durch den Bois de Boulogne, dann parallel zur Av. Henri Martin und Av. Georges Mandel in Richtung Eifelturm. Dann über die Seine, rechts neben dem Eifelturm her in die Avenue de Suffren, wo auch viele Bistros auf einen Happen einladen.

Kleiner Tipp, je weiter runter desto günstiger

Dann ging es irgendwann unter dem Eifelturm hindurch zurück zum Palais de Chaillot. Nachdem wir etwas verweilten entschied ich mich aufgrund der Kausalitätskette: Prostitution – Zuhälter – Dunkelheit – Messer – Tot, dass es vielleicht besser ist im Hellen durch den Bois de Boulogne zurückzufahren. Achja, aus dem Selben Grund wollten wir uns das Musée du Louvre auch am nächsten Tag angucken. Mit dem Camper dorthin fahren, einen Parkplatz suchen und dann reingehen. Wenn ich das jetzt so lese, klingt es schon etwas naiv.

Es macht natürlich keinen Sinn mit einem Wohnmobil ins absolute Tourizentrum von Paris zu fahren und zu glauben, dass man dort einen Parkplatz findet, weil: „Parkhäuser zu niedrig und normale Plätze nicht existent.” Naja, versuch macht klug. Also ab nach Calais.

In der schönen Stadt Calais

290km von Paris entfernt liegt das nächste Ziel unserer Reise. Eine wirklich schöne Stadt, direkt am Meer. In Calais machten wir erst halt an einem kostenfreien (welch Luxus) Parkplatz um dann die Stadt mit den Bikes zu erkunden. Das macht wirklich Laune, die Innenstadt besticht durch viele kleine Geschäfte und Restaurants, die leider vollkommen überteuert sind. Aber der Hunger macht es möglich. Danach fuhren wir an den Strand, welcher unglaublich breit ist.

Sehr schön da

Dort fanden wir auch einen unseren Ansprüchen genügenden Stellplatz direkt am Hafen von Calais. Dieser Stellplatz bietet außerdem die Möglichkeit gratis Ver- und Entsorgung vorzunehmen. Das ist Campersprache für Wasser tanken und Fäkalien loswerden.  Dort durften wir auch ein uriges englisches Ehepaar kennenlernen, die des Öfteren zwischen Calais und Dover pendelten. Der Mann gab uns den Tipp Einkäufe im Aldimarkt vorzunehmen, welcher geradeaus, dann am Kreisel rechts über den ersten Kreisel hinweg, dann rechts anzutreffen ist. Nachdem der Abend am Hafen genossen war, ging es am nächsten morgen auf nach den Haag.

In den Haag – Ortsteil Scheveningen

340km von Calais entfernt liegt der Ort Den Haag. Der Ortsteil an welchem der Strand liegt heißt Scheveningen. Ebenfalls wieder ein sehr schöner Ort. Dieser Satz gilt für Scheveningen, von Den Haag haben wir nicht viel schönes sehen können. Die Fahrt von Calais nach Den Haag ist im Übrigen nicht sehr angenehm. Die Strecke um Antwerpen und Rotterdam ist absolut überfüllt und es gibt dort ca. 3Millionen LKW. Ist man erstmal in Den Haag – Scheveningen angekommen, beginnt das erste Hollandtypische Problem einen Parkplatz zu finden. Die Plätze am Meer haben fast ausschließlich eine Maximumparkzeit von astronomischen 30 Minuten und Straftickets sind sehr teuer, was wir noch aus Groote Keeten, Gemeinde Zijper kennen.


Aber, dem Herrgott sei Dank fanden wir einen ansprechenden Parkplatz direkt am Meer, welcher nur 2€ pro Stunde kostete. Da wir bis 22:00Uhr einwerfen mussten, schlug dieser Schlafplatz mit 12€ zu Buche.

Aber, er war es wert.

Die Stadt wurde diesmal zu Fuß erkundet. Gegessen und getrunken haben wir direkt am Strand in einer Strandbars, welche eigentlich sehr zu empfehlen sind. Bedienung ist etwas langsam und die Preise sind natürlich aufgrund der Strandnähe eher gesalzen als gesüßt. Aber es gab ausreichend vegetarisches und geschmeckt hat es auch.

Nach einer ruhigen Nacht ging es 360km zurück nach Hause.

Endbereitung

Zu Hause angekommen, musste das Wohnmobil wieder in den Ursprungszustand versetzt werden, damit die Kaution nicht verloren ist. Aber der Wohnmobilvermieter war sehr kulant und verlangte für einen Riss im PVC-Boden nur 6€.

Danke nochmal!

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Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 Jahren zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich. — George Bernard Shaw

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