Medizin

Gib mir mal den Kugelschreiber

5 Comments 26 Juli 2008

In Erste Hilfe Kursen werden unter anderem die Themen „Fremdkörper in den oberen Atemwegen“, sowie „Schwellungen im Bereich der oberen Atemwege“ behandelt. Zumindest sollten diese Themen behandelt werden.

Beide Erkrankungen, bzw. Unfälle haben eines gemeinsam, der Rachen bzw. Kehlkopf wird verengt, und das Atmen wird deshalb schwer oder unmöglich.

Die Schwellung

Bei der Schwellung handelt es sich nicht selten um einen Insektenstich in die Zunge, bzw. in den hinteren Bereich des Rachens, worauf hin dieser zuschwillt. Ebenso kann eine solche Schwellung durch Erkrankungen wie z.B. die Epiglottitis und in einigen Fällen sogar der eher ungefährlichere Pseudo Krupp. Insektenstiche könnten von vorneherein verhindert werden, indem man den Kindern eine Strohhalm reicht, aus welchem Sie trinken können.

Der Fremdkörper

Die Zielgruppen für einen solchen Notfall sind in den meisten Fällen die Randgruppen (vom Alter her gesehen) nämlich ebenfalls wieder Kinder sowie aber auch die älteren Herrscharen, die nicht immer im Vollbesitz Ihrer Schutzreflexe sich befinden.

Erkennen, dass es ein Problem gibt

Die Schwellung wird sich in den meisten Fällen entwickeln. Das bedeutet, dass es eine gewisse Zeitspanne zwischen Beschwerdebeginn und Notfallsituation geben wird. Wobei diese Zeitspanne gerade beim Insektenstich sowie aber auch bei der Epiglottitis enorm kurz ausfallen kann. Im Allgemeinen ist eine massiv zunehmende Atemnot, mit dem entsprechenden Gegenfaktor „Angabe eines Stiches“, oder „Fieber“ aber ausreichend um die Situation als gefährlich einzuschätzen und dementsprechend in Zugzwang zu geraten.

Der Fremdkörper muss natürlich auch erstmal in die Luftröhre gelangen, und das wird er natürlich über den Mund oder über die Nase. Wobei der absolute Favorite natürlich der Mund ist. Denn wer isst schon gerne über die Nase? Das Erkennen wird auch in diesem Fall die wenigsten Probleme machen. Wer sich gerade ein Schnitzel in den Hals schiebt und kurz darauf einen heftigen Hustenanfall erleidet, gefolgt von einer massiven Luftnot, ist sicherlich als Notfallpatient einzuordnen.

Was tun

Ganz klare Sache, bei beiden Notfallbildern ist die Gefahr nicht unerheblich groß, dass der Patient aufgrund des Mangels an Sauerstoff kollabieren könnte. Deswegen wäre es in beiden Fällen unser Job, (So wir denn an Ort und Stelle sind), die Situation zu begradigen.

Bei der Schwellung im Bereich der oberen Atemwege durch Insektenstich ist unser wichtigster Job die Schwellung zu kühlen. Auch sollten wir hier alle Wege nehmen, die uns zur Verfügung stehen, nämlich:

  • Schlückchenweise kaltes Wasser zu Trinken geben
  • Kühlung von außen

Desweiteren ist es notwendig, dass professionelle Hilfe an Land kommt, damit uns die Verantwortung genommen wird, und natürlich um weitere Maßnahmen einzuleiten. Wie Sie der Grafik entnehmen können, ist Zeit ein sehr entscheidender Faktor.

Wobei man sich frühzeitig für das Kühlen, aber ebenso frühzeitig für das Absetzen eines Notrufes entscheiden sollten. Denn wenn der Rettungsdienst inkl. Notarzt (häufig Internist) erst eintrifft, wenn der Hals maximal zugeschwollen ist und eine Intubation nicht mehr möglich ist, so kommt der Internist in die Notlage eine Koniotomie durchzuführen.
Sobald man den Verdacht einer Epiglottitis hat, sollte man sich am besten ein wenig mehr zurücknehmen, und eher Ruhe einkehren lassen.
Denn wenn das an Epiglottitis erkrankte Kind sich erstmal bis zur Panik hochgepusht hat, ist an Atmen kaum noch zu denken. Aber auch hier ist eine frühzeitige Alarmierung des Rettungsdienstes das Mittel der Wahl.
Die Beruhigung des Kindes ist natürlich im besten Fall von den Eltern, so Sie denn die Vertrauenspersonen sind, durchzuführen.

Falls jemand einen Fremdkörper verschluckt hat, wobei sich das Verschlucken auf eine Aspiration bezieht, ist ebenfalls Zeit der entscheidende Faktor. Allerdings haben wir in diesem Fall weitere Möglichkeiten, um das Leben des Notfallpatienten zu retten.

Ganz klar: „der Fremdkörper muss entfernt werden!“

Zu Erreichen ist das dadurch, dass ein Überdruck in der Lunge erzeugt werden sollte. Da unsere Lunge ein geschlossenes System ist, wird bei Überdruck die Luft versuchen zu entweichen. In jedem Fall natürlich nach oben. Richtung Kehlkopf, wo das Schnitzel festsitzt.

Solange unser Patient noch ansprechbar ist haben wir zwei Möglichkeiten, mit denen wir einen Überdruck erzeugen können.

  • Schläge auf den Oberkörper (zwischen die Schulterblätter)
  • Das Heimlich-Manöver

Beginnen sollten wir mit dem „sanftesten“ Mittel. Also, den Schlägen zwischen die Schulterblätter, da hierbei die Verletzungsgefahr am geringsten, trotzdem eine Chance auf Erfolg besteht.
Bei dieser Maßnahme sollte der Oberkörper weit nach vorne gekippt werden, sodass der „Verschluss“ möglichst tief hängt.

(wir nutzen die Schwerkraft mit)

Jetzt werden bis zu 5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter appliziert. Durch die Schläge erhoffen wir uns einen Überdruck, und dadurch ein „Lösen“ des Fremdkörpers.

Sollte diese Maßnahme erfolglos bleiben, reicht der Überdruck den wir durch die Schläge erzeugen vermutlich nicht aus und wir sollten etwas druckvolleres anwenden. Mit dem Heimlich-Manöver erzeugen wir definitiv mehr Druck in der Lunge, allerdings besteht eine größere Verletzungsgefahr. Deshalb steht diese Maßnahme erst hinter den Schlägen zwischen die Schulterblätter.
Beim Heimlich-Manöver versucht man die Lunge von unten her zusammen zu pressen, da sonst alle Wege sehr gut durch Rippen, etc. sehr gut geschützt sind.
Wir stellen uns hinter den Patienten und legen eine Faust unterhalb des Brustpanzers, also in den Oberbauch. Die andere Hand legen wir darüber, um die Zugkraft zu erhöhen. Jetzt ziehen wir diagonal nach hinten. Auch bei dieser Maßnahme sollte der Oberkörper des Patienten nach vorne hängen.

Falls auch diese Maßnahme nicht greifen sollte, wird der Patient in der Folge vermutlich aufgrund des Sauerstoffmangels kollabieren. Hier greift dann das „Schema F“ der Hilfsorganisationen.
Wenn Sie sich vergewissert haben, dass der Patient bewusstlos ist, kontrollieren Sie die Atmung. Sollte der Patient wieder atmen, was durchaus möglich sein kann, da jetzt sämtliche Muskeln erschlafft sind, und der Fremdkörper freier ist, wird der Patient in die Seitenlage gebracht, und die Atmung weiter kontrolliert.


Sollte auch die Atmung nicht vorhanden sein, beginnen Sie die Herzlungenwiederbelebung. Also 30 Kompressionen und zwei Beatmungen im Wechsel. Sollte die Beatmung aufgrund des Fremdkörpers nicht möglich sein, ist die Kompression durchgehend durchzuführen, bis der Rettungsdienst eintrifft, der Patient sich wieder bewegt oder er das Atmen beginnt.

Der Luftröhrenschnitt

Auf gar keinen Fall, sollte von einem Laien ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden. Auch wenn diese Vorstellung in vielen Köpfen umhergeistert. Man steckt keine Kugelschreiber in Luftröhren. Selbst der oben erwähnte Notarzt hat, wenn er nicht gerade Anästhesist ist, einen gehörigen Respekt vor einer präklinischen Koniotomie. Also sollte das für den Laienhelfer bedeuten:
„Steck keine Kugelschreiber in menschliche Luftröhren!“

schwachnajamittelgutgrandios (bisher unbewertet)
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Kommentare

5 Kommentare bisher

  1. Ghettomaster sagt:

    Naja, für so Nettigkeiten wie Luftröhrenschnitte gibts ja die Notarztausbildung.
    Gibt es eigentlich verlässliche Quellen wie viele Ärzte welcher Fachrichtung Notarzt sind? In meiner Wahrnehmung sind die meisten Notärzte nämlich Anästhesiologen oder Chirurgen und auf dem Land meist Allgemeinmediziner.

  2. Tobias sagt:

    Da bist du etwas fehlinformiert. In der Notarztausbildung, korrekter gesagt dem Fachkundenachweis Rettungsdienst bzw. der Zusatzweiterbildung Notfallmedizin ist das Erlernen einer Koniotomie nicht Voraussetzung,
    Mir sind auch keine Quellen bekannt, wieviele Notärzte welche Qualifikation haben, evtl. sind diese aber über die DIVI zu erfragen. Würde mich aber eher wundern.

  3. Ghettomaster sagt:

    Ich sags mal so, ich denke jeder Notarzt der auf nem NAW fährt wird sich zumindest schonmal gedanklich dieser Situation gestellt haben und die anatomischen Begebenheiten gut genug kennen das theoretische Wissen im Notfall auch praktisch umzusetzen. So unglaublich selten sind derartige Situationen ja auch nicht…

  4. Michael sagt:

    Ich sehe eher die Gefahr darin, dass die Leute überhaupt nichts tun, als dass sie sich an eine Notkoniotomie heranwagen. ;-)

    Unsere Notärzte sind übrigens fast ausschließlich Anästhesisten.

  5. Tobias sagt:

    Was im Endeffekt natürlich auch so ist. Ich hatte einen “Diskurs” mit einem mutwilligen der FFW darüber, deswegen habe ich diesen Teil gepostet. Aber bei dieser Zielgruppe ist Hopfen und Malz sowieso verloren.


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