Da sitzt man zusammen in dieser generationsübergreifenden Kaffeerunde weil einer der älteren Teilnehmer mal wieder einen runden Geburtstag feiert. 75 Jahre alt geworden, dass kann schon mal gefeiert werden, aber nicht nur deshalb wird das Geburtstagskind heute im Mittelpunkt stehen.
Unser 75 jähriges Geburtstagskind hat nämlich so einige Überraschungen im Körper parat, die von außen gar nicht so auffallen. Im Alter von 75 Jahren nicht selten ist die Arteriosklerose. Was im Grunde nix anderes bedeutet als, dass aus den schön elastischen Blutgefäßen, die er mal hatte, verhärtete, verkalkte, unelastische Rohrleitungen geworden sind. Verursacht durch Bindegewebsveränderungen sowie Ablagerungen aus: „Kalk, Cholesterin und Fettsäuren“. Diese lassen den Blutdruck gerne mal in die Höhe sausen. Das kann man sich im Grunde sehr gut vorstellen, wenn man sich die Blutgefäße mal im Querschnitt ansieht:
Wenn die gleiche Menge Blut die pro Minute durch das normale Gefäß fließt, durch das verengte Gefäß fließen soll ist dieses nur durch höheren Blutdruckruck möglich und das natürlich dauerhaft. Also eine anhaltende Hypertonie.
Jetzt stellen wir uns mal vor ein „Kalkbrocken“ bricht vom Rand eines Gefäßes ab. Durch den Blutstrom wird dieses mitgerissen und folgt dem Gefäßverlauf. Da die Gefäße aber immer enger werden, wird der gelöste Brocken irgendwann stecken bleiben. Wenn unser Kalkbrocken den Weg in unser Gehirn gewählt hat, wird er an einer kleinen Arterie dort stecken bleiben und das entsprechende Gefäß verstopfen. Das nennt man Schlaganfall. Auch bekannt als Hirninfarkt oder Apoplex oder Insult.
Das kann man sich so ähnlich vorstellen wie ein Stau auf der Autobahn, der ganze Bereich, der hinter der Unfallstelle liegt, kann nicht mehr, oder nur durch Umwege, die sogenannten Kollateralien, erreicht werden. Was für unser Gehirn bedeutet, dass der ganze Bereich der hinter der Verstopfung liegt nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird und wo kein Sauerstoff, da ist kein Leben. Also besteht die große Gefahr, dass Gehirnzellen in diesem Bereich absterben.
Klar, das Ganze ist eine sehr gefährliche Erkrankung. Denn immerhin sterben hier Teile des Gehirns ab. Unser Gehirn sorgt dafür, dass wir Denken, Reden, Laufen etc… können. Dafür, dass wir uns orientieren und Menschen wiedererkennen, aber auch lebenswichtige Funktionen wie das Atmen oder unserer Schutzreflexe, wie das Husten werden teilweise vom Gehirn gesteuert.
Wie erkenne ich einen Schlaganfall?
Vorher möchte ich erklären, wie ein Schlaganfall anatomisch abläuft, dann sind die Symptome klarer, bzw. dann machen Sie mehr Sinn.
So ein Schlaganfall findet in aller Regel nur auf einer Seite des Gehirns statt. Eigentlich logisch weil vorher die Blutgefäße viel zu dick sind um zu verstopfen. Also stellen wir fest: „Teile einer Gehirnhälfte werden beim Schlaganfall nicht mehr, oder nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt!“
Jede Gehirnhälfte steuert eine Körperhälfte. Genauer gesagt:“Meine rechte Hirnhälfte steuert meine linke Körperhälfte und andersrum!“ Wie könnte so ein Schlaganfall nun aussehen? Wie reagiert mein Körper darauf, wenn ein Organ was die Muskeln einer Körperhälfte steuert plötzlich ausfällt?
Die Symptome erklären sich im Grunde von selbst:
- Lähmung einer Körperhälfte. Mundwinkel, Gesicht, Arme, Beine, etc… (Hemiparese)
- Sprachstörungen, denn auch unsere Sprache wird vom Gehirn gesteuert. (Aphasie)
- Taubheitsgefühle – Arm oder Bein einer Seite fühlen sich wie eingeschlafen an
- plötzliche Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit
- heftigste Kopfschmerzen
Das dramatische am Schlaganfall ist im Grunde, dass dieser von außen nicht unbedingt dramatisch aussieht. Zumindest im Gegensatz zum z.B. Herzinfarkt. Bei diesem sind Todesangst und stärkste Schmerzen sehr signifikant. Trotzdem ist die Gefahr beim Schlaganfall natürlich dramatisch. Da es sich um unser Gehirn handelt.
Was tun beim Schlaganfall?
Rufen Sie umgehend (also ohne vorherige Diskussionen mit dem Patienten, weil dieser nicht schon wieder ins Krankenhaus möchte ) die 112 an. Der Leitspruch im Krankenhaus für den Schlaganfall ist: “Time is Brain“, also Zeit ist Gehirn. Je schneller jemand mit einem Schlaganfall behandelt wird, desto besser. Bitte auch keine Spielchen, wie z.B. erst den Hausarzt zu rufen, weil ein Rettungswagen zu übertrieben scheint (was sollen denn auch die Nachbarn denken). Der Hausarzt kann den Schlaganfall vor Ort auch nicht behandeln, sondern auch nur einen RTW rufen. Keine Zeit verschenken.
Was tut das Krankenhaus?
Durch engmaschiges Monitoring wird sichergestellt, dass die Vitalparameter des Patienten in einem akzeptablen Bereich liegen. Kann außerdem eine Hirnblutung ausgeschlossen werden (durch CT, MRT) besteht die Möglichkeit das Gerinnsel durch bestimmte Medikamente (die sogenannte Thrombolyse) aufzulösen. Quasi Rohrfrei für Blutgefäße. Der Faktor Zeit ist dabei natürlich von entscheidender Bedeutung.
Zu den Risikofaktoren des Schlaganfalls gehört unter anderem übrigens das Rauchen, welches ich noch immer erfolgreich bekämpfe.
interessante Blogs sind hier z.B.: Imedo, DZKF, Malenas Welt



