Haben Sie Interesse daran einmal Sektenführer zu werden? Möchten Sie der Guru eines Stammes oder der erste Offizier Ihres Gefolges sein? Das ist überhaupt kein Problem. In diesem Ratgeber bringe ich Sie an die Spitze Ihres neu aufgebauten Imperiums und helfe auch über die ersten Angriffe hinweg bis Sie ein halbwegs festes Gebilde unter sich haben.
Zu allererst benötigen Sie natürlich Gefolge, denn was haben Sie davon wenn Sie der Sektenführer von sich selbst sind. Das würde nicht lange gut gehen, denn bereits nach einigen Tagen werden Sie nach PsychKG eingewiesen, da man Ihnen eine Schizophrenie unterstellt. Anhänger zu finden ist im Grunde aber auch das einfachste, denn es gibt in unserer Zeit ausreichend „nach geistiger Führung“ lechzender Menschen. Aber auch den anspruchslosesten unter diesen muss man etwas bieten. Im besten Falle irgendein Material, welches auch für Normaldenkende einigermaßen Sinn macht. Da können Sie selbst kreativ sein, indem Sie sich etwas ausdenken:
- Wie funktioniert die Welt?
- Wie wird man besser?
- Warum leben wir?
- So kommen wir ins Paradies!
Oder Sie bedienen sich einer netten Mixtur Fremdweisheiten, denn auch hier gibt es ausreichend. Etwas Buddhismus, ein wenig Christentum, eine Prise Scientology und das ganze abgeschmeckt mit etwas Likatierwissen. Das ist natürlich nur ein Beispiel, Sie sind da ganz Ihr eigener Chef. Aber ganz wichtig, predigen Sie den ganzen Tag Ihre Weisheiten ohne abzulassen und seien Sie selbst überzeugt davon. Überzeugen Sie Kritiker von Ihrer Lebenseinstellung und beraten Sie geistig Schwache und suchen Sie den Kontakt zu „nach spiritueller Führung“ Suchenden. Es wird nicht lange dauern bis Sie Interessierte finden, die mehr über Ihre Idee erfahren möchten. In dieser Zeit sollten Sie auf jeden Fall Vorbereitungen getroffen haben um den künftigen Anhängern eine Basis zu bieten. Eine Gemeinschaft in der Sie Ihren Zusammenhalt oder Ihre Zugehörigkeit zu Ihnen als Guru stärken können. Das ist ein ganz wichtiger Punkt: „Sie sind der Boss und Sie müssen Ihre Anhänger an sich binden!“
Die Gruppe oder Gemeinschaft
Wenn man soweit ist, dass man eine Gruppe bilden kann, so haben Sie schon sehr viel erreicht. Aber in den meisten Fällen benötigt man für den Unterhalt einer Gruppe Geld. Außerdem sollen Sie als Guru, bzw. als geistliches Oberhaupt Ihrer Sekte natürlich auch einen „beachtlichen Obolus“ erhalten. Das müssen Sie Ihrer Gruppe klarmachen. Gehen Sie nicht einfach zu Ihren Anhängern und sagen Ihnen „Ich brauche Geld“ sondern machen Sie Ihnen klar, dass Sie jetzt eine Gruppe sind. Geben Sie Ihnen das Gefühl etwas elitäres zu sein. Sie sind wichtiger, besser und schlauer als jeder der außerhalb der Gruppe steht. Das schützt erstmal vor Kritik die Ihre Mitglieder von Außenseitern erfahren. Denn ein Außenseiter kann nur schwer recht haben, wenn er doch weniger elitär ist wie das Gruppenmitglied selbst, und um diese elitäre Gemeinschaft zu schützen, müssen die „Mitläufer“ natürlich Ihren Beitrag leisten. Verlangen Sie niemals Geld oder Spenden, verlangen Sie lieber:
- Den Beitrag der Mitglieder zum Schutz der Gruppe
- Oder zur Aufrechterhaltung der Gruppe
- Meinetwegen auch Kursgebühren oder Energieausgleiche
Um die Gruppe nicht zu gefährden werden viele das Geld bezahlen. Das Geld sinkt in der Wichtigkeit im Vergleich mit der Gruppe. Die Gruppe und dessen Gedankengut und Lebensweise muss in der Wichtigkeit der Mitglieder ganz oben stehen. Das ist der Job des Gurus, also Ihr Job. Sie müssen erkennen wenn sich Stimmungsschwankungen aufbauen. Sie müssen erkennen wenn einzelne der Gruppe die Gesamtidee gefährden, und Sie müssen entsprechend handeln. Scientology hatte die nette Idee „Störer einer Gruppe“ abzusondern. Sie bekommen einen separaten Namen „Surpressive Persons“ und werden wie abtrünnige oder Geisteskranke behandelt und verstoßen. Vielleicht kann man sich da für Ihre Sekte, der Idee bedienen.
Zusatz: Sie müssen für Ihre Gruppe nicht etwa Land oder Gebäude anmieten, es besteht auch die kostengünstigere aber schwächer abhängig machende Möglichkeit nur eine Gruppe im Geiste zu gründen. Eine imaginäre Gruppe die nur im Kopf existiert. Das ist aber eher für fortgeschrittene zu empfehlen. Evtl. als zweites Standbein.
Angriffe von Außen
Natürlich werden die Politik oder die Justiz oder auch Angehörige der „Folgenden“ irgendwann Ihre wahren Pläne durchschauen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Diese werden in den meisten Fällen Verleumdung in der Presse Anklagen etc… sein. Da heißt es wachsam sein. Sie benötigen also eine Art Geheimdienst. Dieses wurde bereits von vielen „Vereinen“ erfolgreich getestet. Als Beispiele dienen hier das Office of Special Affairs von Scientology oder Wankmillers Geheimdienst vom Stamm der Likatier. Diese Geheimdienste sind im Grunde extrem easy aber massiv wirkungsvoll. Das Prinzip gleicht dem aus Kindertagen bekanntem Prinzip: „verpetzt du mich, verpetze ich dich!“ Sie sollten also Mitglieder Ihrer Gruppe bei den oben angegeben Organisationen einschleusen oder Mitarbeiter der Organisation für Ihre Sekte anwerben. Das Ziel ist: „Informationen sammeln.“
Ein Beispiel:
Ein Reporter ist auf Ihre Sekte aufmerksam geworden und berichtet herablassend oder warnend über Sie. Jetzt müssen Sie schnell handeln und den Ruinpunkt (Scientologydeutsch) finden. Sexuelle Perversitäten, Affären, Schwarzgeld oder sonstige ungesetzliche oder unmoralische Handlungen. Sobald Sie diese wissen, haben Sie fast schon gewonnen. Lassen Sie seiner Ehefrau Fotos von Ihm und seiner Affäre zukommen oder geben Sie dem Finanzamt Tipps über seine Schwarzgelder. Dabei ist natürlich wichtig, das der Reporter ahnen kann von wem die Tipps kommen. Aus Angst vor weiteren Übergriffen lässt er seine Berichterstattung vermutlich fallen. Etwas finden werden Sie in den allermeisten Fällen da jeder Dreck am stecken hat. Sollten Sie dennoch nichts finden können reicht es in unserer Gesellschaft „Gott sei Dank“ aus wenn man die Anschuldigung rausgibt.
Allgemeine Unzufriedenheit
Zu diesem Punkt darf es niemals kommen. Das kann nur durch Langeweile passieren, dass Ihre Gruppe sich auflösen möchte, dass Sie das Interesse verliert. Mit etwas Geschick und einer hierarchisch durchdachten Aufstellung Ihrer Gruppe wird es niemals zu diesem Punkt kommen. Vielleicht für einzelne aber niemals für die Gruppe. Und der Einzelne wird dann einfach als „SP“ erklärt und rausgeworfen. (Recht Simple) Eine Gruppe kann sich selber leiten, sorgen Sie nur dafür, dass Sie ein Ziel hat. Das erreichen Sie z.B. durch Beförderungen zu höheren Dienstgraden. Was beim Militär klappt wird auch bei Ihnen funktionieren. Ein Blechorden kostet evtl. 1,50€ und bringt mehr Anerkennung und Zufriedenheit bei Ihrem Gefolge als finanzielle Entlohnung. Alle wollen aufsteigen, also sorgen Sie dafür, dass es ausreichend Dienstgrade gibt.
Diese Tipps sollten im Grunde ausreichen um eine Sekte zu gründen die halbwegs fest ist, von außen schwer zerstörbar und außerdem finanziell noch einiges für Sie abwirft.
Vergleichen Sie doch mal diese Beschreibung mit realen existierenden Sekten. Im Moment können Sie Live mit verfolgen wie ein eher unbeholfener Guru versuch ein telemediales Gefolge um sich zu scharen. Evtl. helfen Ihm ja auch diese Tipps.
Interessante Blogs könnten hier sein: globalmizzry, Thomas Matterne



Sehr schöne Anleitung. Jedoch fehlt mir der wirtschaftliche Aspekt und HowTo Get Promis ^^