Medizin

Die Angst etwas falsch zu machen

3 Comments 25 April 2008

Stellen Sie sich mal vor, jemand der Ihnen sehr Nahe steht, sagen wir mal Ihr Partner oder ein naher Verwandter kollabiert plötzlich direkt neben Ihnen. Das Gesicht wird erst blass-grau kurze Zeit später sogar blau. Oder Sie pflegen zu Hause die Eltern oder Schwiegereltern und beim morgendlichen Wecken stellen Sie fest, dass der, der da im Bett liegt merkwürdig blau aussieht. Eine Atmung können Sie auch nicht feststellen. Sie greifen zum Hörer und wählen die 112 um den Rettungsdienst zu verständigen.

Können Sie sich vorstellen sich jetzt hinzusetzen und zu warten bis der Rettungsdienst kommt? Ich meine, man könnte die Zeit des Wartens ja auch sinnvoll nutzen, indem man z.B. Reanimationsmaßnahmen einleitet, also die Herzdruckmassage in Kombination mit Beatmung. Aber das währe jetzt zu viel verlangt. Können Sie sich vorstellen die 10 Minuten bis der Rettungswagen eintrifft einfach nur zu warten?

Nein? Klingt das ganze unvorstellbar? Aber genau das passiert jeden Tag. Laut dem Spiegel, (der eine Menge Mist schreibt aber dazu später mehr ,) in 87,5% aller Fälle, in denen ein Herzkreislaufstillstand vorliegt. Diese Zahl kann ich voll unterstützen. Bei 9 von 10 HLWs (Herz-Lungen-Wiederbelebungen) wird von den Angehörigen keine Erste Hilfe geleistet. Dabei ist das kinderleicht! Also woran liegt es.

Lieben diese Menschen Ihre Angehörigen nicht? Vermutlich doch. 9 von 10 Fälle währe eine zu böse Sache für Deutschland. Die Ursache ist woanders zu finden.

1: Die Angst etwas falsch zu machen. Eigentlich bescheuert oder? Da liegt jemand auf dem Boden, er atmet nicht sein Herz steht still und umstehende Menschen haben Angst Maßnahmen durchzuführen, aus Angst sie könnten etwas falsch machen.

Was soll man denn bei jemand falsch machen der tot ist? Eben nichts, da kann man nur jede Menge richtig machen.

2: Ich kann rechtlich belangt werden, wenn ich demjenigen Schaden zufüge. Jetzt stellen Sie sich mal vor Sie entschließen sich eine HLW durchzuführen und „brechen Ihm dabei Rippen“, was bei allen Reanimationen bei über 60 Jährigen zu 90% passieren wird. Dafür kann man doch in den Knast kommen, oder zumindest wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer saftigen Geldstrafe verknackt werden!

Vollkommener Quatsch! Es gibt keinen einzigen Fall in Deutschland, wo jemand der Erste Hilfe leistete und dabei einen Patienten verletzte der rechtskräftig verurteilt wurde. Und so einen Fall wird es vermutlich auch niemals geben. Sehr wohl aber können und werden Sie bestraft, wenn Sie keine Erste Hilfe leisten. Das regelt der §323 c im Strafgesetzbuch.

3: Das kann auch ein anderer machen, der es besser kann. Klingt logisch und macht Sinn. Stellen Sie sich vor Sie fahren über eine Straße und sehen rechts am Fahrbahnrand einen Verkehrsunfall. Ein junger Mensch ist gegen einen Baum gefahren. Er blutet, Glas ist zerbrochen, eine ziemlich unübersichtliche Situation. Man schaut in den Rückspiegel und sieht noch sehr viele Autos hinter sich. Warum soll also ich hier anhalten der seinen letzten Kurs vor 15 Jahren gemacht hat?

Weil alle die hinter Ihnen fahren genauso denken!!! Es ist ein Fakt, dass an Unfall- Einsatzstellen wo viele Menschen vor Ort sind, weniger Erste Hilfe geleistet wird, als an kleinen Orten. In einer Gruppe ist man gerne bereit Verantwortung abzugeben. Währen Sie alleine würden Sie eher Hilfe leisten! Also tun Sie es auch in der „Gruppe“.

Der Spiegel hat Anfang des Monats einen voreiligen Artikel eines Arztes, der gerne mal ein Fass aufmachen wollte wissenschaftlich fundierten Bericht, der sich auf eine Studie eines Arztes der Charite Berlin beruht veröffentlicht, wo böse Anschuldigungen getroffen werden, unter der reißerischen anklingenden Überschrift: „Erste Hilfe Kurse weitgehend nutzlos“ Leider ist der Großteil des Berichtes nicht mal das Papier wert auf den er gedruckt wurde. Aber für diejenigen, die sich die Sache einmal objektiv betrachten möchten, empfehle ich den Artikel zu lesen und dann mal einen Kurs zu besuchen. Dieser kostet ca 30,00 € und ist eine sicherlich sinnvolle Wochenendbeschäftigung.

Unter anderem wird behauptet, dass es sich in 9 von 10 Notfällen um Notfälle internistischer Natur handelt. Das ist richtig. Weiter wird behauptet, dass sich die Erste-Hilfe Kurse fast ausschließlich mit chirurgischen Notfällen beschäftigt. Das ist schlicht und einfach falsch.

Aber, wie dem auch sei. In diesem Beitrag habe ich vermutlich genügend gute Gründe geliefert, mal wieder einen Erste-Hilfe Kurs zu besuchen. Stellen Sie sich mal vor, Sie kommen wirklich in eine Situation wie oben beschrieben. Der Mensch, den Sie am meisten lieben, fällt plötzlich neben Ihnen um und stirbt, möchten Sie wissen was zu tun ist?

Erste Hilfe Kurse kann man für ca. 30€ hier z.B. besuchen!

Malteser Hilfsdienst oder beim Deutsches Rotes Kreuz

schwachnajamittelgutgrandios (bisher unbewertet)
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Kommentare

3 Kommentare bisher

  1. Mirko sagt:

    aus dir kann was werden. find ich gut!

  2. Michael sagt:

    Bei der fehlenden Erste-Hilfe-Bereitschaft in der Bevölkerung muss man z. T. schon Angst haben, dass einen auf einer gut frequentierten Straße im städtischen Bereich überhaupt geholfen wird, weil die Passanten alle die Straßenseite wechseln, wenn sie eine verletzte Person sehen. Es liegt glaube ich weniger an der Angst, etwas falsch machen zu können, sondern mehr am fehlenden Solidaritätsgefühl. Würden nicht ansonsten weitaus mehr Menschen Erste Hilfe Kurse besuchen bzw. ihre Kenntnisse regelmäßig auffrischen, um auf dem Neuesten Stand zu sein und zu wissen, was im Ernstfall zu tun ist? Diese Kurse sind heute dermaßen kostengünstig und viele Menschen sind sich einfach zu gut dafür, ein paar Stunden darin zu investieren. Aber man darf nie außer Acht lassen, dass man mit diesem Wissen Menschen (auch solche, die man liebt) retten könnte…

  3. Tobias sagt:

    schönes Statement. Aber wie du schon sagst, die Quittung kommt meistens prompt, da es zu 80% Menschen die man kennt und liebt treffen wird


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